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Contesting Multiculturalism: Gender Equality, Cultural Diversity and Sexual Autonomy in the EU

Zwangsehe, Ehrenmorde, Genitalbeschneidungen und das religiös motivierte Tragen von Kopftüchern sind Gegenstand kontroversieller Debatten um kulturelle Differenzen und Geschlechtergleichheit in unterschiedlichen Ländern auch der EU. Einige Feministinnen warnen vor den negativen Auswirkungen des Multikulturalismus auf Frauen und Mädchen, wenn Kultur zur Legitimierung von Gewalt oder Unterordnung von Frauen herangezogen wird. Die österreichische Ministerin für Gesundheit und Frauen hat in Kooperation mit anderen Ministerien 2005 ein Maßnahmenpaket gegen „traditionsbedingte Gewalt“ an Frauen in Österreich geschnürt und diese Fragen auch auf die politische Agenda des österreichischen EU-Ratsvorsitzes 2006 genommen.

Die Unvereinbarkeit von Geschlechteregalität und kultureller Vielfalt wird häufig als Grund für die zunehmende Abkehr von multikulturellen Ansätzen in Theorie und Politik genannt. Doch das Bild von Frauen als „Opfer ihrer Kulturen“ hat eine doppelte Funktion: die „kulturelle“ Entschuldigung von Gewalt gegen Frauen, aber auch die Abwertung anderer Kulturen als inhärent frauenfeindlich.

Dieses Forschungsprojekt zielt auf ein besseres Verständnis des gegenwärtigen Rückzugs vom Multikulturalismus und bezieht Forderungen nach kultureller Diversität, nach Geschlechteregalität wie auch nach sexueller Autonomie mit ein. Durch die Erweiterung der Untersuchung auf andere als ethnische und religiöse Minderheiten und um Fragen zu Heteronormativität wird der in der Debatte häufig angenommene Gegensatz zwischen Feminismus und Multikulturalismus vermieden. Konzepte zu Diversität, Dominanz und Durchlässigkeit in Kontexten von Minderheiten und Mehrheiten zielen darauf, die Grenzen fragwürdiger Konzentration auf kulturelle und religiöse „Traditionen“ und innovative Maßnahmen jenseits von neuerlichen Grenzziehungen aufzuzeigen. Für die empirische Erhebung werden Methoden der ethnographischen Feldforschung wie auch der Rechtswissenschaften herangezogen. Dabei soll ein theoretischer Rahmen für einen EU-Vergleich von Geschlechteregalität, kultureller Diversität sowie sexueller Autonomie entwickelt werden.

 

Laufzeit: 2006–2008

Leitung: Sabine Strasser

Trägerinstitution: Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

Kooperationspartner:

Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht, Universität Wien

Kommission für Sozialanthropologie, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Fördernde Institution: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Forschungsschwerpunkt New Orientations for Democracy in Europe (node)

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Elisabeth Holzleithner, Christa Markom, Ines Rössl

Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
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4. Stock
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