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R I N G V O R L E S U N G

 

Mehr als Flucht: Forschungserkenntnisse und Aussichten

 

Universität Wien, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie | Hörsaal A

 

Inhalte und Zielsetzung

Seit 2015 werden am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie Forschungen, Diskussionsrunden und andere Aktivitäten initiiert, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigen. In dieser Ringvorlesung werden die Erkenntnisse aus Forschungen, Ergebnisse aus Initiativen und Einblicke in die Arbeit mit Flüchtlingen dargelegt. Ziel dieser Lehrveranstaltung ist es, mögliche Erkenntnisse bezüglich gesellschaftlicher Entwicklungen (Asylpolitik, Flüchtlingsarbeit, Integrationsmaßnahmen etc.) gemeinsam mit den Teilnehmenden zu diskutieren und praxisorientierte Lösungsansätze zu erarbeiten.

Inhaltlich liegt der Fokus dieser Ringvorlesung auf Fragen rund um gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen, die rezente Fluchtbewegungen mit sich bringen: In welcher Form werden ethnische bzw. religiöse bzw. sprachlichen Segmentierungen aus den Herkunftsgesellschaften von Geflüchteten „mitgenommen“? Wie gestalten sich Kommunikationsstrukturen und kollektive Identitätskonstruktionen der Flüchtenden? Wie entfalten sich Netzwerke in transnationalen Zusammenhängen? Wie nehmen Geflüchtete die österreichische Gesellschaft und Bevölkerung wahr? Gibt es bestimmte normative Erwartungshaltungen an die Aufnahmegesellschaft(en)?

In sechs Blöcken werden verschiedene Forschungsfelder aus den kultur- und sozialanthropologischen Refugee-Studies beleuchtet, ein regionaler Schwerpunkt wird auf den Nahen Osten gelegt. Wir widmen uns methodischen Fragestellungen und präsentieren ein Interviewprojekt mit Flüchtlingen aus Syrien. Die Teilnehmenden erfahren über aktuelle und rezente Forschungen, Ergebnisse von Studien sowie Initiativen im Flüchtlingsbereich. Wie das Schulsystem auf die durch Flucht erwachsenden Herausforderungen und Veränderungen reagiert ist ebenfalls Inhalt dieser Ring-Vorlesung – hier stellen wir Kooperationsansätze von Bildungseinrichtungen mit der KSA vor.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion sowie in geleiteten Diskussionsrunden steht jedoch eine Frage zentral: In wie weit können unsere Forschungserkenntnisse in Asylpolitik und Integrationsdebatten einfließen?

 

 

Vorlesungsprogramm

 

Vorbesprechung: 10. März 2017, 09.45 – 11.30

Susanne Binder & Gebhard Fartacek

Vorstellen des Vorlesungskonzepts

·         Zielsetzung

·         Inhaltliche Erläuterung der einzelnen Vorlesungsblöcke

·         Prüfungsanforderungen

Vorstellen des Projekts: Studierende in Ausbildung für KSA-Beratung in Gemeinde - Zsofia Hacsek

UNHCR-Bildungsmaterialien: „Gesichter der Flucht“ – 3 Portraits www.unhcr.at/service/bildungsmaterialien/gesichter-der-flucht.html

 

6 Blockveranstaltungen

 

Block 1:       17. März 2017, 09.45 – 13.00

Gedachte und gelebte Zugehörigkeiten und Abgrenzungen und Zugehörigkeiten im Nahen Osten

Kurdistan, Irak und Syrien, die Herkunftsregion vieler Geflüchteter, die in den letzten Jahren nach Österreich kamen, bilden den geographischen Rahmen dieses Blocks. Im Mittelpunkt stehen kollektive Identitätskonstruktionen, gedachte und gelebte Zugehörigkeiten und Abgrenzungen, historische Ereignisse und die rezenten kriegerischen Entwicklungen im Nahen Osten – sowie der Blick, den Geflüchtete darauf haben.

09.45 – 11.15  Thomas Schmidinger: Entwicklungen im Irak und in Rojava

11.15 – 11.30  Pause

11.30 – 12.15  Gebhard Fartacek: Religion, Ethnizität und Minderheitenpolitik in der Arabischen Republik Syrien – ein Überblick

12.15 – 13.00  Gebhard Fartacek: Untersuchungsergebnisse eines Interviewprojekts mit syrischen Flüchtlingen in Österreich: Rekonstruktionen von ethnischen Beziehungen, Widerstand und Krieg

 

Block 2:       31. März 2017, 09.45 – 13.00

Methodische Reflexionen und Einblicke in die Forschung mit Geflüchteten

Am Beispiel aktueller Forschungsarbeiten im Rahmen eines Vorlesungsseminars am Institut für KSA wurden Interviews mit syrischen Flüchtlingen zu ethnisch-religiösen Spannungen im Großraum Syrien geführt. In diesem Block widmen wir uns neben den Inhalten der Interviews vor allem methodischen Herausforderungen, die sich im Bereich der sozialanthropologischen Flüchtlingsforschung ergeben (können).

09.45 – 10.45  Susanne Binder: was beim Forschen im Flüchtlingsbereich zu beachten ist

10.45 – 11.05  Camilla Mittelberger: Ein Krieg, zwei Geschichten: Damaszener Stadtteile in den Tagen der Revolution 

11.05 – 11.25  Andreas Schulz: Interethnische Spannungen im Zuge der Studierendenproteste in Aleppo 2012

11.25 – 11.40  Pause

11.40 – 12.00  Astrid Aringer: „Warum die Leute einander umgebracht haben, kann ich bis heute nicht verstehen!“ Perspektiven und Erfahrungen zweier syrisch-orthodoxer Christ_innen

12.00 – 12.20  Sandra Fessl: Ethnisch-religiöse Segmentierungen in Syrien vor und während des Bürgerkriegs: Methodische Überlegungen und Reflexionen zu meinem Forschungsprozess

12.20 – 13.00  Lukas Milo Strauss: Empirische Forschung im Transitlager Spielfeld – Reibungsflächen in der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen staatlichen Organisationen, NGOs und Freiwilligen

 

Block 3:       28. April 2017, 09.45 – 13.00

Aktuelle Forschungen: Kriminalisierung, Integration, Flucht & Smartphones

09.45 – 10.50  Monika Mokre: Kriminalisierung von Migrant_innen – Kriminalisierung von Migration

10.50 – 11.15  Integration – Begriffsdiskussion: Was ist Integration? Was braucht es von politischer und/oder wissenschaftlicher Seite, um Integration zu ermöglichen?  (10 Minuten Diskussion in 4er-Gruppen, danach 15 Minuten im Plenum; Moderation: Susanne Binder)

11.15 – 11.30  Pause

11.30 – 12.30  Katja Kaufmann: Google Maps, WhatsApp & Facebook Groups: Das Smartphone auf der Reise syrischer Flüchtlinge nach Österreich

12.30 – 13.00  Erwin Schweitzer: Integration von AsylwerberInnen aus der Perspektive der Sozialberatung in einem Wiener Flüchtlingshaus

 

 

Block 4:       05. Mai 2017, 09.45 – 13.00

Aktuelle Forschungen: Flüchtlinge als Humankapital, schiitische Mobilisierung, Flüchtlingsinitiativen sowie Grenzüberschreitungen in Forschung und Lehre

09.45 – 10.45  Isabella Buber-Ennser & Judith Kohlenberger: Human Capital, Values, and Attitudes of Persons Seeking Refuge in Austria in 2015

10.45 – 11.30  Gabriele Weichart und Studierende: “Home Not Shelter” - Grenzüberschreitungen in Forschung und Lehre

11.30 – 11.45  Pause

11.45 – 12.00  Lisa Lenz & Donata Kremsner: Flüchtlingsinitiative Ceurabics – der Verein und seine Tätigkeitsfelder

12.00 – 13.00  Philipp Bruckmayr: schiitische Mobilisierung zwischen Syrien, Libanon, Iran und Afghanistan

 

 

Block 5:       19. Mai 2017, 09.45 – 13.00

Kooperationsansätze mit Bildungseinrichtungen in Bezug auf Flucht

09.45 – 10.30  Doris Englisch-Stölner: Überblick über diverse Maßnahmen an Wiener Schulen

10.30 – 11.00  Susanne Binder: Interkulturelles Mentoring für Schulen mit syrischen Mentor/innen – Praxisberichte

11.00 – 11.15 Pause

11.15 – 11.45  Mari Steindl: Jugendcollege

11.45 – 12.30  Tatjana Atanasoska & Michelle Proyer: Bildung für jugendliche Flüchtlinge

12.30 – 13.00  Daniela Marzoch & Ilija Kugler: UniClub vom Kinderbüro der Uni Wien

 

 

Block 6:       09. Juni 2017, 09.45 – 13.00

Praxisorientierte Lösungsansätze und Diskussionsrunde zur Asylpolitik

09.45 – 10.30  Andrea Richter: Interkulturelle Mobile Teams

10.30 – 11.15 Marie-Claire Sowinetz: UNHCR Bildungsmaterialien

11.15 – 11.30  Pause

11.30 – 13.00  Diskussionsrunde zu Asylpolitik, Flüchtlingsarbeit und                       Integrationsansätzen

u.a. mit Herbert Langthaler (asylkoordination), Martina Eigelsreiter (Büro für  Diversität St. Pölten), Rainer Klien (SOS Mitmensch Burgenland)

Angefragt: Vertreter/in des ÖIF sowie Staatssekretärin Muna Duzdar

 

 

Alle Vorlesungsblöcke finden im Hörsaal A des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie (NIG, 4. Stock; Universitätsstraße 7, 1010 Wien) statt. Lehrveranstaltungsnummer: RV 240016; 2 Semesterwochenstunden, 3 ECTS; Sommersemester 2017

Lehrveranstaltungsleitung:

susanne.binder@univie.ac.at

gebhard.fartacek@univie.ac.at

 

 

Weitere Informationen unter:

 

http://mehralsflucht-ksa.univie.ac.at/home/

 

https://moodle.univie.ac.at/course/view.php?id=58940

 

https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=240016&semester=2017S

 

 

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Öffentliche Vorlesung der Ustinov Gastprofessorin

„Dynamiken der Flucht- und Asylmigration“

Prof. Dr. Karin Scherschel

wöchentlich von Donnerstag, 9.3. bis 29.6.2017 von 16.45 bis 18.15 Uhr

im Hörsaal 31 Hauptgebäude Universität Wien (Universitätsring 1, 1.Stock, Stiege 9, A-1010 Wien)

Weltweit fliehen Millionen Menschen, von denen nur ein Bruchteil Europa erreicht. Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben ihrerseits in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl an Maßnahmen zur Grenzsicherung ergriffen, um die Flucht- und Asylmigration abzuwehren. Angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen zeigt sich Europa wenig vorbereitet auf einen Umgang mit Flucht, der den eigenen menschenrechtlichen Ansprüchen gerecht wird. Es zeichnen sich Re-Nationalisierungsprozesse und ein Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen ab. Die Vorlesung legt den Schwerpunkt auf Erklärungsansätze zu aktuellen Fluchtbewegungen und Dynamiken der gegenwärtigen Flüchtlingspolitik.

Prof. Dr. habil. Karin Scherschel ist Soziologin mit Forschungs- und Publikationsschwerpunkten in den Bereichen Asyl, Migration, Rassismus, Prekarisierung, Aktivierung, Erwerbsarbeit, Soziale Arbeit, Soziale Ungleichheit und Teilhabe. Sie ist Professorin an der Hochschule RheinMain Wiesbaden, Fachbereich Sozialwesen. Sie ist Mitglied im DFG Netzwerk „Grundlagen der Flüchtlingsforschung“, im Netzwerk Flüchtlingsforschung und im Netzwerk kritische Grenzregimeforschung. Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt zur „Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen im Asylkontext“, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

 

9.3.2017: Die Entstehung des modernen Flüchtlings - die Genfer Flüchtlingskonvention

 

16.3.2017: Wer ist ein Flüchtling? Administrative und alltagsweltliche Klassifikationen

 

23.3.2017: Deutungen des Flüchtlings in der politischen Philosophie und der Soziologie – Hannah Arendt, Zygmunt Bauman, Giorgio Agamben

 

30.3.2017: Citizenship im Wandel I - Staatsbürgerschaft und Menschenrechte im asylpolitischen Kontext

 

6.4.2017: Potentiale des Austauschs zwischen Exil- und Flüchtlingsforschung am Beispiel Scheinehe und Schlepperei (Gastvortrag Dr. Irene Messinger, FH Campus)

 

27.4.2017: Citizenship im Wandel II - Staatsbürgerschaft und Menschenrechte im asylpolitischen Kontext

 

4.5.2017: Grenzregime - Die Institutionalisierung des europäischen Asylsystems

 

11.5.2017: Umkämpfte Grenzen - politische Bewegungen an den Rändern Europas

 

18.5.2017: Zwischen Diskriminierung und Teilhabe: Asylmigration in Deutschland (Beitrag auf der Tagung des Sir Peter Ustinov Instituts)

 

1.6.2017: Gastvortrag Dr. Ilker Atac, Universität Wien

 

8.6.2017: Gesellschaftspolitische Abwehr von Flüchtlingen - Rassismus und Rechtspopulismus

 

Blockvorlesung:

22.06.2017 (15.00-16.30): Gender und Zwangsmigration I

22.6.2017 (16.45 - 18.15): Gender und Zwangsmigration II

 

29.6.2017: Willkommenskultur und Solidarität - gesellschaftspolitische Reaktionen auf Flucht

Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
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